Erster Eindruck: Alois Nebel von Jaroslav Rudiš

Diese Woche habe ich ein grandioses Buch erhalten: “Alois Nebel” von Jaroslav Rudiš (Zeichnungen von Jaromir99), eben bei Voland & Quist erschienen. Kein normales Buch, sondern eine sogenannte Graphic Novel, also eine Kreuzung zwischen Comics und Erzählung, oder etwas einfacher ausgedrückt ein fettes Comics (über 300 Seiten) versehen mit einem literarischen Text. Das Buch fesselt natürlich schon beim Durchblättern: die düsteren, harten Schwarzweiss-Zeichnungen ziehen einen in den Bann und machen neugierig. Die Geschichte nicht weniger, wie ich sie bis jetzt beurteile kann: Im Zentrum steht Alois Nebel, Fahrdienstleiter an einem kleinen Bahnhof in Bily Potok, an der tschechoslowakisch-polnischen Grenze, dem früheren Sudetenland. Geboren ist Nebel 1948, die Geschichte spielt 1988. Der pflichtbewusste Einzelgänger zieht das Sammeln von Fahrplänen den gesellschaftlichen Freuden vor. Aber wenn sich der Nebel über seine Station legt, geschehen seltsame Dinge: die Schatten der Vergangenheit dieser Gegend tauchen auf – in Form eines Geisterzuges voller deutschen Soldaten aus dem 2. Weltkrieg…. das Buch verführt einen in eine wilde Welt, voller schrägen Gestalten und vielen schönen kleinen Geschichten – soweit der erste Eindruck.

Der Autor von Alosi Nebel, Jaroslav Rudiš, wurde übrigens 2007 zu den 30 wichtigsten tschechischen Persönlichkeiten gewählt und hat u.a. in Zürich studiert und wird am 8. März im Literaturhaus Zürich lesen. Unbedingt das Datum vormerken.

Und: Alois Nebel hat eine eigene Website. Schaut sie euch an! Gibt einige Müsterchen zu kosten!

 

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Der Kulturplatz patzt

Gestern Abend bei Kulturplatz auf SF 1: Frau Wannenmacher stapft im fribourgischen Eis herum und präsentiert dazwischen gleich zwei Buchthemen: die Buchpreisbindung ist das Thema. Und wieder hört man die ewig gleichen Argumente: Buchhandlung als Kulturort, die bösen grossen Buchketten,  das Buch als Kulturgut verteidigen, die entfesselten Neoliberalen zerstören den Buchmarkt… Positiv überraschte einzig der FDP-Politiker Philippe Nantermod. In wenigen Worten skizzierte er das Problem der Branche: “Hier geht es um veränderte Konsumgewohnheiten. Darauf müssen sich die Buchhändler einstellen, statt versuchen, die Leute zu ändern. (…) Den Leuten geht es nicht darum, ein paar Franken zu sparen, sie kaufen heute einfach anders ein.”

Und doch: die Redaktion des Kulturplatzes hätte einfallsreicher sein müssen, es fehlten Stimmen von Buchhändlern (und damit meine ich nicht Ex Libris), die gegen die Buchpreisbindung sind. Auch ihnen hätte Platz eingeräumt werden müssen. Es wäre interessant gewesen, zu erfahren, was diese auf die Argumente der Befürworter geantwortet hätten. Aber so tief haben sich die Redaktoren offensichtlich nicht eingearbeitet. Schade!

Dafür umso sehenswerter aber der zweite Beitrag (inkl. Interview mit Bärfuss) zu “Zwanzigtausend Seiten”, dem neuen  Stück von Lukas Bärfuss, das im Moment in der Box im Schiffbau gespielt wird (ab 21:10).

Kulturplatz vom 08.02.2012

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Heute erscheint der neue T.C. Boyle

Heute erscheint also der neue Roman “Wenn das Schlachten vorbei ist” von T.C. Boyle. Gemäss der etwas kryptischen Inhaltsangabe scheint es sich um einen Öko-Thriller zu handeln: “Zwei Fraktionen von Umweltschützern liefern sich einen erbitterten Kampf. Schauplatz sind die Channel Islands vor der Südküste von Kalifornien, wo die Umwelt vom Menschen empfindlich gestört wurde. Soll man das Gleichgewicht des Ökosystems mit viel Steuergeldern wiederherstellen – was zwangsläufig die Ausrottung mancher Tierarten bedeutet -, oder soll man um jeden Preis das Töten verhindern?”

Seit ein paar Tagen geistert im Internet ausserdem ein Booktrailer herum, von dem ich nicht weiss, ob es jetzt der offiziell vom Verlag produzierte Trailer ist oder nicht. Jedenfalls macht er auf mich den Eindruck einer Mischung von Navy CIS, Steven Segal Öko-Streifchen und einer drittklassigen Hollywood-Schosse.

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Sensationeller Start von wemakeit.ch !

Wie bereits vor ein paar Tagen berichtet, gibt es ein erstes Crowdfunding-Projekt für die Schweiz: wemakeit.ch. Die Seite ist nun letzte Nacht online gegangen (übrigens in ein paar Tagen folgt die Variante von Ron Orp: www.100-days.net). Und wow, die Macher setzten die Latte hoch: absolut toll gemacht, mit bereits heute absolut faszinierenden Kulturprojekten! Jedes Projekt ist ausführlich beschrieben und wird durch (zum Teil fantastische) Video illustriert. Beispiele:

Buch “Architektur im Würgegriff der Kunst” (u.a. mit Beiträgen von Philipp Ursprung und Laura de Weck):

Architektur im Wuergegriff der Kunst from Kunstverein Zuerich on Vimeo.

Der direkte Link zum Projekt: http://wemakeit.ch/projects/architektur-im-wurgegriff-der-kunst

Oder: Zwei Berner Studentinnen gründen furchtlos den Kunstverlag “Edition Happy Brithday”:

we are edition happy birthday from edition happy birthday on Vimeo.

Im Literaturbereich bietet bisher nur Art-TV ein Projekt an: die Tip-X Literaturshow. Das Konzept scheint mir noch etwas unklar und ich bin mir nicht sicher, ob es solch eine Show braucht, Ideen dieser Art gab es in den letzten Jahren Dutzende und meistens sind sie wieder versandet oder haben die erhoffte Wirkung nicht gezeigt. Lassen wir die User entscheiden:

TipX – Die Literatursendung von Morgen from Felix Schenker on Vimeo.

Abgesehen davon, dass wemakeit.ch die Möglichkeit bietet, Kulturprojekte zu unterstützen (auch mit kleinen Beiträgen), gibt die Seite einen Einblick in das kreative Schaffen der Schweizer Kulturszene. Hoffentlich bald mit noch viel mehr Projekten!

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Poetry Slam “Weltmeister” Danny Sherrard in Zürich!

Man mag ja von Poetry Slam-Weltmeisterschaften halten was man will, aber dieser Mann hats wirklich drauf: Danny Sherrard, US-National Poetry Slam Champion und eben Poetry Slam “Weltmeister” kommt am 11. Februar nach Zürich zum Poetry Slam in den Schiffbau (Tickets gibts hier), der nach einer Pause von 10 Monaten erstmals wieder stattfindet. Hier performt Sherrard sein Text “The Distance”:

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Amazon: “1 Mio. Kindle pro Woche verkauft”

Ein erhellender Beitrag zum Thema E-Books, Entwicklung im Buchmarkt und Buchpreisbindung heute in der NZZ (auch als Nachtrag zu meinem Blogpost von gestern:

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/die_vergaenglichkeit_des_buches_1.14695899.html

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Die ganze Buchbranche kämpft für die Buchpreisbindung…

Die ganze? Nein, eine kleine Gruppe von Verleger und Buchhändler stellt sich gegen die Buchpreisbindung. Exemplarisch dazu ist die Bemerkung die Matthias Jenny, Buchhändler und hochdekorierter Literaturveranstalter (u.a. Gründer des Literaturfestival Basel und der BuchBasel), am Freitag vor einer Woche auf Facebook machte:

“Buchpreisbindung. Eigentlich müsste ich für die Buchpreisbindung sein. Ich kenne aber niemand (aus der Kundschaft) der das befürwortet. Würde sie angenommen wird sie den kleinen Buchhandlung den Rest geben und nicht etwa erhalten – es würde die Kundschaft gnadenlos an den Computer treiben und sie würden ebenso gnadenlos online bestellen (was sie ja zum Teil jetzt schon tut) – aber nicht bei mir. Schon der jetzt, zu ungünstiger Zeit, startende Abstimmungskampf ist eine Katastrophe.
Kein einziges Argument ist für die Kundschaft ein Beweis, dass man der Buchpreisbindung zustimmen muss. Ein Kunde sagte, er stimme nur ja, weil die SVP das Nein empfiehlt. Bald herrscht über des Kleinbuchhändlers Buchwipfeln tiefe Ruh.”

Ich fürchte, diese Bemerkung trifft den Nagel auf den Kopf: auch mir ist nicht klar, wie die Buchpreisbindung bspw. Literatur fördern soll. Klar ist aber: die Initianten sehen nicht oder wollen nicht sehen, dass in der Branche eine massiver Strukturwandel stattfindet: bei der Buchpreisbindung geht es in erster Linie um den Erhalt von Buchhandlungen. Buchhandlungen hatten von je her zwei Funktionen: Verkauf von Büchern und – durch den Buchhändler – Werbung für Büchern. Buchhandlungen als Ausstellungsfläche, wie es die Präsidentin des SBVV, Marianne Sax, an der Pressekonferenz formulierte. Mit dem Internet hat sich die Situation geändert: es ist nicht nur so, dass Bücher im Internet einfach erstanden werden können, Leser können sich über Bücher auch mühelos im Internet informieren. Innert Sekunden findet man Rezensionen, Kommentare, Tipps zu allen Büchern. Dazu sorgen ein Heer von Blogs, Booktrailern, Literaturseiten, Onlineauftritte von Zeitungen. Es ist also so, dass auch die persönliche Beratung von Buchhändler für viele Leserinnen und Leser immer unwichtiger werden wird. Damit wird wohl die Anzahl der klassischen Buchhandlungen immer weiter reduziert, das ganze ist eine Frage der Zeit – mit oder ohne Buchpreisbindung. Dass mit dem Rückgang der Buchhandlungen nicht auch das literarische Leben zurückgeht zeigen bspw. die unzähligen Literaturfestivals und wiederum das Internet. Die Verantwortlichen des SBVV wären wohl besser beraten, das Geld und die Energie, welche sie für die Wiedereinführung der Buchpreisbindung verwenden in Zukunftskonzepte für ihre Buchhandlungen zu investieren.

 

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Wieder ein Preis für Nora Gomringer

Freude herrscht! Nora Gomringer bekommt den Ringelnatz Preis 2012! So wunderbar das ist, so lustig ist auch der Aufritt des Jurysprechers des Ringelnatz Preises  Prof. Möbus. Nicht dass ich ihm inhaltlich wiedersprechen will, überhaupt nicht, aber die Art wie… ist geradzu niedlich:

Übrigens ist im Verlag Voland & Quist unter dem Titel “Mein Gedicht fragt nicht lange” eine wunderbare Sammlung ihrer Gedichte und Sprechtexte seit 2000 erschienen. Enthalten sind die Gedichtbände „Gedichte“, „Silbentrennung“, „Sag doch mal was zur Nacht“ und „Klimaforschung“. Seeehr zu empfehlen!

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Crowdfunding-Plattform könnte Schweizer Kulturszene verändern

Nächste Woche geht mit wemakeit.ch die erste Schweizer Crowdfunding-Plattform für Kulturprojekte online. Die Website ermöglicht einer Vielzahl von Unterstützern gemeinsam mit einem Künstler ein Projekt zu realisieren. Dabei legt der Künstler im Voraus fest, welche Summe in welchem Zeitraum (zwischen 30 und 90 Tagen) er sammeln will, und wie er das Publikum dafür belohnen will. Wird das Finanzierungsziel innerhalb der festgelegten Zeit erreicht, wird dem Künstler das Geld umgehend überwiesen. Erreicht er das Ziel nicht, erhält er auch kein Geld und den Unterstützern wird auch nicht belastet.
Mit am Start sind u.a. Theaterprojekte von 400asa, ein Franz-Kafka-Jugendpreis aus Leipzig, sowie Kunst-, Architektur- und Foodpublikationen eines Independent Verlags aus Bern, dem Kunstverein Zürich, dem Verein «wer kocht gewinnt» und Hochparterre zusammen mit dem Kunstbuchverlag Scheidegger&Spiess. Als Dank für ihr finanzielles Engagement erhalten die Unterstützer die Gewissheit, dass all diese Projekte nur dank ihnen zustande kommen, sowie individuelle Belohnungen wie signierte Bücher, Einladungen zu speziellen Veranstaltungen, limitierte Fotoprints, ein Date mit einem Schauspieler, ein persönliches Skype-Konzert, ein noch nicht verfilmtes Drehbuch oder ein Geburtstags-Mixtape.

Ein mutiges Projekt, dem ich unbedingt viel Erfolg wünsche. Findet wemakeit.ch genügend Mäzene, steht der Schweizer Kulturszene eine völlig neue Finanzierungsmöglichkeit zur Verfügung, bei der nicht Experten entscheiden, was realisiert werden soll, sondern das Publikum. Interessanter Ansatz!

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Angewandte Germanistik

Seit heute Nachmittag geistert dieses Foto durchs Facebook. Mir ist jetzt klar, wozu Angewandte Germanistik gut ist. Um solches zu verhindern. Was irgendwie auch wieder schade wäre, nicht?

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